Politik und mehr aus Kalletal und Lippe

Aktuelles aus Kalletal und Lippe

Nachstehend finden Sie unsere aktuellen Themen und Berichte.

Neue Visitenkarte für die Gemeinde Kalletal

Wer ist der Wichtigste im ganzen „Kalle“-Land?

Eine gute Nachricht kommt aus dem Rathaus: In der 6. KW 2019 startete die neue Homepage der Gemeinde Kalletal. Klar, dass unverkehrt.de nach dem Bericht über die „Visitenkarte zum Fremdschämen“ (Dezember 2018, s.u.) neugierig auf die Seiten war. Kurzes knappes Fazit: Farblich und mit der Einteilung in vier Menüpunkte erst einmal gut gelungen und: Der Bürgermeister ist lernfähig! Statt fünfmal „ich“ kommt diesmal die Hervorhebung der eigenen Person im Grußwort nur noch zweimal in ich-Form daher. Super! Doch was ist das? Verwundert reibt man sich die Augen, Ersatz musste her, denn jetzt steht viermal „Bürgermeister“ im Text. Summa summarum hat sich in dem Punkt also leider wenig geändert. Und entgegen der ersten Fassung nennt er sich selbst auch noch vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie wissen es vielleicht noch aus der Schule, wenn der kleine Max vom Spielenachmittag berichtet hat und mit „Ich und Sebastian…“ beginnt, wie dann alle im Chor rufen „Der Esel nennt sich immer zuerst!“

Dass viele Politiker ein ausgeprägtes Geltungsbedürfnis haben und sich auf jedes Foto drängeln, ist bekannt. Das findet sicher nicht jeder gut, doch darüber regt sich die Gesellschaft kaum noch auf, es ist halt ein öffentlicher Job und es geht um Wählerstimmen. Hier kreist jedoch jemand um sich selbst, dabei ist es die Homepage von Kalletal und nicht die private Homepage Mario Hecker. Wer auf die Startseite geht, hat gleich den schmucken Mario im weißen Wahlkampfhemdchen im Visier, schön mittig zentriert zwischen „Bekanntmachungen“ und „kalletalhoch3“. Wenn Sie draufklicken und zum Grußwort kommen, können Sie das dortige Foto dann sogar durch Klicken noch vergrößern. Spieglein, Spieglein an der Wand… Ob’s diese Funktion wirklich gebraucht hat? Oder soll das die „Eindimensionalität“ sprengen?

Machen Sie sich einfach mal das Vergnügen und schauen Sie sich die Homepages anderer Städte und Gemeinden in Lippe an. Die meisten Amtsinhaber scheinen sich nicht so wichtig zu nehmen wie der Kalletaler Nintendo-Spieler. Mit ihm kann es nur Monika Rehmert aus Extertal aufnehmen, allerdings nur auf der alten extertal.de -Seite, auf der neuen exterdigital-Seite sieht das schon wieder anders aus. Die meisten Hecker-Kollegen muss man suchen, etwa unter Rat & Verwaltung, Bürgermeister und gezielt anklicken, dann bekommt man die eine oder andere Information oder auch ein Grußwort. Manche betreiben sogar politische Bildung und informieren über ihre Aufgaben als Bürgermeister (dafür muss man sie natürlich auch kennen), ein anderer entwirft seine Zukunftsvision der Stadt (nicht auf kalletalhoch3-Niveau, wo die Menschen alles gemeinsam machen und die Kinder mit Liebe aufwachsen).

Apropos Liebe, der Kalletaler Bürgermeister schreibt von „unserer liebevollen Gemeinde“. Also, meine Eltern waren tatsächlich sehr liebevoll, meine Oma auch, aber nur weil sie in Kalletal lebten, wird aus Kalletal keine liebevolle Gemeinde. Vielleicht ist es ja ein verzeihlicher Flüchtigkeitsfehler, nur ein anderer Buchstabe und davor noch ein „s“ und die Welt sieht doch gleich ganz anders aus… ;-) (ED15022019)

 

 

Gedankensplitter (Februar 2019)

Schwarzer Hoffnungsschimmer

Die Kalletaler CDU hat einen neuen Fraktionschef. Das war in den letzten Jahren regelmäßig zu lesen, ohne dass sich etwas Wesentliches änderte.

Diesmal scheint aber etwas anders zu sein. Vom neuen Fraktionschef der stark dezimierten CDU sind ganz neue Töne zu hören. Die von der Verwaltungsspitze abweichende Meinung zu den Plänen des Wald und Forstmuseums Heidelbeck ließ aufhorchen.

Auch die Sorge um die schlechte Haushaltslage der Gemeinde Kalletal und die Bereitschaft, notfalls auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen, machen Hoffnung.

Hoffnung auch deshalb,

weil es im Rat vielleicht wieder jemanden geben könnte, der erkennt, dass zur Zeit nur die guten allgemeinen Steuereinnahmen von Bund und Ländern, die massiv gestiegenen Gemeindesteuern, die überhöhten Gebühren für Abwasser, die niedrigen Darlehenszinsen und die seit Jahren verschobenen Investitionen das Haushaltsdefizit in Grenzen halten. (der Entwurf für 2019 sieht immer noch ein Defizit von ca. 650.000 Euro vor.)

Hoffnung auch deshalb,

weil es im Rat wieder jemand geben könnte, der nicht glaubt, dass durch die Veräußerung von gemeindeeigenen Häusern im Zentrum Hohenhausen für einen sehr geringen Preis, der Haushalt saniert werden kann. Insbesondere, wenn kurz zuvor das Gebäude auf Steuerzahlerkosten noch mit einem Aufwand von fast der Hälfte des Verkaufserlöses ertüchtigt wurde. Rechnet man den Erwerb und die Herrichtung des Ersatzgebäudes im Ortsteil Langenholzhausen und die fast leerstehenden Container „In den Ellern“ dazu, ist das …………………………………………………… unterm Strich negativ!

Hoffnung auch deshalb,

weil es im Rat wieder jemand geben könnte, der darüber nachdenkt, ob überhaupt und wenn ja, zu welchen Preisen Grundstücke (z.B. Baufläche, hoch subventionierte Gewerbeflächen, umgepflügte Wirtschaftswege usw.) und Gebäude auf Vorschlag der Zuständigen in der Verwaltungsspitze verkauft werden sollten. 

Hoffnung auch deshalb,

weil es im Rat auch wieder jemanden geben könnte, der die Personalentwicklung der Gemeinde Kalletal und deren fachliche Eignung im Auge behält.

Wahrlich eine schwere Aufgabe, nicht nur, aber auch wegen der politischen Zugehörigkeit des Kämmerers. Wir glauben aber, dass es durchaus Mitstreiter in der eigenen Fraktion und bei anderen (wie das Beispiel Wald und Forstmuseum gezeigt hat) geben könnte.

Kalletal hätte es verdient!(HB11022019)

 

Balkongespräche Februar 2019

WALDBADEN im Kalletaler Wind-Wald

macht locker 20 Jahre jünger

03.Februar 2019: Sonntagsfrühstück ist angesagt. Lieschen hat in der Veranda aufgetischt, Klaus-Wolfgang hat den Kamin schon auf angenehme Temperaturen gebracht.

Nico-Luis: (mürrisch, war letzte Nacht zur Fete im Sportverein, ist müde, hat keinen Hunger und daddelt auf seinem Smartphone rum) Die haben gestern was von einer Motorradfrau, die durch Waldbaden bei uns in Kalletal plötzlich jünger geworden ist, erzählt. Das soll auf der neuen Kalletaler Image- Website für junge Leute stehen. Ich schau’ da mal rein.

Mia-Chantal: Meine Freunde Ben und Sylvie aus Osterhagen haben auch sowas gesagt. Ich will das auch sehen. Was muss ich eingeben?

Nico-Luis: kalletalhoch3.de

Philipp-Rene: (zustimmend) Ja, ich habe auch von der Vorstellung dieser Kalletaler Website gehört. Die ist in Lüdenhausen in der Kirche vorgestellt worden. Der Bürgermeister hatte wohl wieder die vom Büro in Varenholz - die er auch für sich im Wahlkampf hatte - beauftragt. Die haben sich über diesen Auftrag so gefreut, dass sie angeblich durch die Kirche gehüpft sind und Mineralwasser versprüht haben. Das gehörte wahrscheinlich zum „Heimatprogramm“.

Regina-Beate: Ob das wirklich stimmt? Dass ein Priester oder Diakon bei bestimmten Anlässen Weihwasser mit einem Aspergill versprengt, ist ja bekannt, aber die in Lüdenhausen sind doch nicht katholisch.

Philipp-Rene: Die sind zwar nicht katholisch, aber das mit dem Mineralwasser stimmt.

Klaus-Wolfgang: Die Kirche war voll. In unserer Koronarsportgruppe fanden aber die meisten, dass so eine Veranstaltung nicht in die Kirche passt. Auf der Kalletaler Facebookseite kann man den Bürgermeister sogar unter der Kanzel bewundern. Meine Sportfreunde aus Lüdenhausen fanden das nicht so passend, auch wenn die Kirche schon reichlich Fördergelder für verschiedene Projekte aus Steuermitteln bekommen hat.

Mia-Chantal: (freut sich) Ich hab’ die Seite kalletalhoch3 gefunden. Die ist wie ein Bilderbuch und schön bunt.

Nico-Luis: Die haben gestern was von einem erotisch angehauchten Text aus Heidelbeck erzählt, hab’ den jetzt gefunden. Steht unter Kalletalhoch3- Impulse-Gern gelesen- Besser als Highdelbeck.  Die haben Hei.. aber High…. geschrieben. Soll wohl modern sein, so wie Highlight oder High Heels. Fangt schon mal an zu essen, ist viel Text, ich hab keinen Hunger. Ich lese euch mal vor, was da unter Highdelbeck steht, geht scheinbar um Liebe und Motorrad.

Vom Rauschen der Liebe in Kalletal

Ein Text von Axel Bürger

Da rauschte sie heran. Auf einer roten Ducati 1200 Pikes Peak. Älteres Modell. Das Motorrad, die Frau war taufrisch. Helm ab, sie kam ihm entgegen. Die Haare schienen eine Restfeuchte vom Duschen in sich zu tragen. Der Verkehr auf der Kreuzung zwischen Hohenhausen und Brosen nahm keine Notiz. Aaron hatte etwas warten müssen. Er war schon unterwegs, als ihn die SMS erreichte: „Ich komme etwas später. Viertel vor sollte klappen. Bis dann.“ Kira-Ashley Busekros, 30 Jahre alt, blond ohne eine typische Blondine zu sein, angemessen schmal geschnitten, eine Frau, die Vergangenheit in sich trug.

Lieschen: (quatscht dazwischen) Eine Busekros aus Heidelbeck kenn’ ich.

Mal sichtbar, mal unnahbar. Aaron wusste nicht so recht, was diese zwei Stunden hier in der Zentrale des Kalletals bringen würden. Er fühlte sich gut. Er hatte das gelbe T-Shirt gewählt, weil es morgens war und weil schwarz bekanntlich keine Farbe ist. Wenngleich Schwarz seinen Typ, die grauen Haare und die gelebten Träume, die bisweilen einfach nur Irrwege waren, unterstrichen hätten. Jetzt saßen sie da. Kira-Ashley zog es in den Schatten, Aaron saß gern in der Sonne. Er rückte etwas näher, wollte bei diesem Frühstück nicht quer über den Tisch schreien. Sie fummelte an sich herum, zupfte hier und da. Dann kam der Kellner. „Drei Rühreier, einen Latte Macchiato, einen Liter Wasser.“ Die Speisekarte war nicht vonnöten, Kira-Ashley kannte sich aus, Sie wusste, wie das Frühstück aussehen soll und hoffte, dass es auch so schmecken würde. Aaron zeigte sich leicht beeindruckt von dieser Routine, bestellte einfach das gleiche plus Tomaten und lehnte sich zurück. Die Sonnenbrille ließ er auf den Tisch gleiten. Wie sinnlos, eine Frau erstmals wirklich wahrzunehmen und seine eigenen Augen versteckt zu halten.

Philipp-Rene: (nachdenklich) Das kommt mir irgendwie bekannt vor.

Nico-Luis: Ich lese jetzt weiter.

Sie erzählte vom Reiten in Herbrechtsdorf, bei Aaron bauten sich Bilder auf. Er sah sich und diese Frau auf einem Steg sitzen. Die Sonne wärmte beide gnädig. Das Schilf wiegte leise hin und her. Ruhig lag der See vor ihnen, sie ließen sich auf die warmen Lärchenbretter des Stegs gleiten. Vielleicht an der Weser. Schlagartig katapultierte es ihn zurück in der Gegenwart. Das Rührei kam. Kira-Ashley: „Die Ducati ist vorhin nicht sofort angesprungen. Ich hätte es wissen können.“ Später, während das Frühstück vom Teller in den Magen wanderte, waren sich beide schnell einig, dass es Menschen müde mache, sich für eine Liebesbeziehung immer aufs Posen zu verlegen. Und sonst? Kira-Ashley hatte einige Umzugskartons noch immer nicht ausgepackt. Aaron merkte, wie jeder Satz dieser Frau sich in sein Bewusstsein schraubte. Stets auf der Suche nach Bildern im Kopf, nach Assoziationen. Es war wie eine Erlebnistankstelle ohne selbst getankt zu haben. Es war diese nahezu perfekte Präsenz. Oberflächlich abgebrüht, innerlich handelsüblich zerrissen. Er merkte gleichzeitig, wie dieses ewige Gedankenauftürmen die Gegenwart verleugnete. Er spürte wie gern er neben ihr saß. Sie hätte das Telefonbuch von Rinteln vorlesen können, er hätte es genossen. Er fühlte sich gut. Sie war zwischenzeitlich gedanklich woanders. Schaute ins Off. Er dachte, okay, sie arbeitet beim Fernsehen, vielleicht schaut man irgendwann ins Off, sowie ein Gärtner ins Beet schaut. Ein Blick zur Uhr sagte ihm, dass es unweigerlich ein Ende dieses Frühstücks geben würde. Sie wollte gegen 11.30 Uhr gehen. Fahren natürlich. Zum Sender. 45 Kilometer. Er hätte hier ewig sitzen können. Er wusste nicht wie dieses Gefühl entstand. Es war wie eine Ebene, die sich entfaltete. Ohne Zutun, wie selbstverständlich. Zwar hier und da noch voller Fragen und emotionaler Tumulte, aber ein pures Vergnügen. Er kannte sie jetzt etwas länger als eine Woche. Der Knall kam auf Umwegen. Sie hatte in einem Streifenshirt quer moderiert und auf einmal sah er eine andere Frau vor der Kamera. Es musste ein kostbarer Moment gewesen sein, als er merkte, dass da etwas passiert war. Er wollte sie. Nicht im Vorbeigehen, nicht als Geplänkel oder zur Ablenkung, nicht zwischen die Schenkel und die Karawane zieht weiter. Er wollte ihren Rhythmus erleben, wollte spüren, was diese Frau in ihm freisetzte. Die Zeit schlug Rad. Schon war alles wieder Vergangenheit, sie musste gehen. Eine Umarmung.

Philipp-Rene: Ich glaub, ich kenn diese Fantasiegeschichte wirklich, das mit den Schenkeln und der Karawane hab’ ich schon mal gelesen.

Nico-Luis: Kann ja sein, aber ich lese nun erst den Rest dieser Story über Heidelbeck.

Er hätte es gern gehabt, dass ihre sperrige Motorradjacke noch über dem Stuhl hing. Mehr Nähe. Er blieb sitzen, sie ging zahlen, stieg auf ihre Ducati und war binnen weniger Minuten Richtung Lemgo verschwunden. Aaron legte die Hand ans Kinn, trank den Milchkaffee langsam aus und wusste, das war sie. Ohne sie je geküsst zu haben, ohne alles quasi. Sie, eine Frau, besser als Tantra und Thai-Massage. Besser als Nutella und Bananenmilchshake, besser als alle Trilogien von George Lucas, die Muppets Show, das Ende von 2001. Besser als der Hüftschwung von Emma Peel, Marilyn, Schlumpfinchen, Lara Croft, Naomi Campbell und der Leberfleck von Cindy Crawford. Besser als die B-Seite von Abbey Road, die Solos von Jimi Hendrix, Neil Armstrongs Schritte auf dem Mond, der Space Mountain, das Lied vom Weihnachtsmann, das Vermögen von Bill Gates, die Trance des Dalai Lama, Nahtoderfahrungen, die Auferweckung des Lazarus, all die Testosteron-Spritzen von Schwarzenegger, das Kollagen in den Lippen von Pamela Anderson. Besser als Woodstock, Highdelbeck und die orgiastischste Raver-Party. Besser als die Freiheit. Besser als das Leben.

(Axel Bürger, aufgewachsen in Kalletal-Stemmen, arbeitet als Dozent, Journalist & Trainer,kreativetiefe.de

Philipp-Rene: Ich weiß jetzt, woher ich diese Fantasiegeschichte kenne. Mia-Chantal, schau doch mal im Internet unter Axel Buerger’s Medienblock-Bürgersprechstunde. Ich esse inzwischen schon mal.

Mia-Chantal: Du hast recht, die Fantasiestory heißt da “A four letter word?“, findet man unter dem Datum vom 04. August 2017 und die spielt auch nicht in Kalletal. Hat irgendjemand leicht verändert.

Lieschen: Miachen, lies doch mal die Originalgeschichte vor.

Mia-Chantal: (hat nach dem Lesen eine gesunde Gesichtsröte, Nico-Luis grinst) Nein, das lese ich nicht vor, dass ist zu schlüpfrig und bestimmte Worte würdest du, Oma, auch nicht verstehen. Aber ich erklär’ euch die wichtigsten Veränderungen: Im Original heißt die angemessen schmal geschnittene Blondine auf der Ducati Ashley Steward und ist 52 Jahre alt. In der Version Kalletal wurde Kira-Ashley Busekros daraus. Blond und schmal geschnitten ist sie geblieben, aber sie ist plötzlich nur noch 30 Jahre alt.

Lieschen: Und warum ist die auf einmal so jung geworden?

Regina-Beate: (grinst) Das wollten wahrscheinlich die aus Varenholz und der Bürgermeister so. Die Image- Webseite soll doch für die Jugend sein und das Waldbaden sollte auch rein. Ich glaube Kira-Ashley war Waldbaden oberhalb von Heidelbeck an den Windrädern. Es heißt, der Windwald wirkt wie ein Jungbrunnen.

Klaus-Wolfgang: Jetzt weiß ich auch, was diese Fantasien mit Kalletal zu tun haben, aber auf einer Gemeinde-Website?

Lieschen: Ich frag’ mich allerdings auch, warum solch schlüpfrige Texte ausgerechnet im Gotteshaus in Lüdenhausen verkündet werden. Die waren doch sonst immer sehr konservativ.

Philipp-Rene: Mein Freund aus dem Kalletaler Rat glaubt, dass die Fördermittel und die guten Kontakte des Bürgermeisters zu den Kirchenvertretern da eine Rolle gespielt haben. Die bekommen im Anzeigenblatt Kalletaler Blick ja auch immer eine ganze Seite für ihre Botschaft spendiert.

Klaus Wolfgang: Ich glaub’, die vom Kirchenvorstand haben nicht gewusst, was in dieser Image-Website von Kalletal so alles drinsteht. Die haben nur die bunten Bilder gesehen.

Lieschen: Ich will von so‘n Kram jetzt nichts mehr hören, es wird nun gegessen.(HB07022019)

 

 

Interviews haben Konjunktur

Interviews haben im neuen Jahr in unseren in Kalletal verbreiteten Medien offensichtlich Konjunktur. Den Anfang machte die Lippische Landeszeitung (LZ) am 10. Januar 2019 mit einem Interview mit dem neuen Kalletaler Fraktionsvorsitzenden der CDU, Julian Gerber. Er wurde vom LZ-Redakteur intensiv befragt nach den Hintergründen der ständigen Wechsel im Fraktionsvorsitz der CDU Kalletal  und der junge Mann hielt stand und dicht. Wenn’s ans Eingemachte ging, verwies er darauf, dass er an den Geschichten der vergangenen Jahre nicht beteiligt war, sieht sich also als „unbelastet“ und gerade deshalb als nun genau den richtigen Vorsitzenden. Größte Sorgen bereitet ihm die Haushaltslage in Kalletal, er äußert sogar Befürchtungen über einen Nothaushalt und hält das finanzielle Risiko für einen Um- und Anbau des Wald- und Forstmuseums für viel zu hoch. Recht neue Töne aus der Fraktion, deren hausgemachte Querelen für mehr Schlagzeilen sorgten als dass sie politische Akzente setzte.

Da wollte dann wohl auch das Westfalen-Blatt (WB) zeigen, dass es Interviews kann und seine zuständige lokale Redaktionsleitung befragte am 17. Januar den Kalletaler Bürgermeister. Der durfte sich dann lange ausbreiten über seine Wahlversprechen, seine pfiffige Fördermittelakquise, die Hohenhauser Straße, die nicht seine Baustelle ist, seine regelmäßigen Besuche der Kalletaler Vereine u.s.w… Kritische Nachfrage? Fehlanzeige, weder zu den umstrittenen Investitionen in drei Grundschulstandorte bei sinkenden Schülerzahlen oder zu der merkwürdigen Antwort des Bürgermeisters zur Digitalisierung des Rathauses, die für Mario Hecker scheinbar heißt, dass man damit beschäftigt ist, die Bauakten aller Gebäude zu digitalisieren. Wenn`s um den Haushalt geht, sieht Hecker Kalletal „jetzt an einem Punkt, wo wir in die Entschuldung kommen können.“ Welch rosige Zeiten für die Dörfer-Gemeinde! Ein starker Kontrast jedenfalls zum jungen CDU-Fraktionsvorsitzenden, der scheinbar anders rechnen gelernt hat und den Nothaushalt befürchtet.

Dieses Interview im Bezahlmedium WB hat es nicht gebraucht. Eine reine Werbebotschaft mit einem Journalisten als Stichwortgeber ist doch eher peinlich. Dann doch wenigstens „Anzeige“ darüber setzen, damit jeder weiß, woran er ist. Es kommt aber fast noch besser, dieses Interview erschien dann auch noch am 26. Januar im Kalletaler Blick, dem kostenlosen Bürgermagazin mit Mitteilungen der Gemeinde Kalletal, der Verlag spricht auf seiner Seite sogar von einem „Amtsblatt“. Vielleicht hat dieses „Interview“ hier ja dann auch seinen legitimen Platz gefunden. Die Fragen wollte sich der Bürgermeister sicher alle schon mal selber stellen… (UB31012019)

 

 

Ein Yeti kann teuer sein…

„Kalletal hoch 3“ - neue Image-Website der Gemeinde

„Als Yeti oder Schneemensch bezeichnet man ein zweibeiniges, behaartes Fabelwesen des Himalaya. Die Sherpas leiten den Begriff von Ye ‚Fels‘ und The ‚Tier‘ ab. In Tibet wird der Yeti als Migö (Wilder Mann) oder auch Gang Mi (Gletschermann) bezeichnet.“ So fasst es Wikipedia knapp zusammen. Doch was – um Himmels Willen - hat ein Yeti mit Kalletal zu tun? Wochenlang durften wir dieses behaarte Männchen mit Aktentasche auch in Anzeigen der Gemeinde Kalletal bestaunen, eingeladen wurde damit zu der Veranstaltung „Kalletal hoch 3“ am 23. Januar in die Evangelisch-reformierte Kirche Lüdenhausen. Eine Moderatorin von Radio Lippe wurde angekündigt, dazu interessante Gäste, die Freischaltung der DORFApp und Präsentation einer neuen „Kalletal Image Website“. Das DORFnet wahr sein – war dazu das vielsagende Motto. Doch wer spricht so in Kalletal? Nach lippisch Platt klingt das nicht, vielleicht ist es ja vergewaltigte Yeti-Sprache…

Der kleine Kalle ist groß geworden und liebt jetzt den Freiraum -
Präsentation der neuen Webseite in der Kirche Lüdenhausen. Foto (c) A. Slotta
 

Nun denn, die Veranstaltung war ausgesprochen gut besucht und viele KalletalerInnen interessierten sich für ihr dörfliches Image, das von einem scheinbar von der Gemeinde Kalletal beauftragten „Kulturdesigner“-Ehepaar aus Varenholz vorgestellt wurde. Wie ein wildgewordener Yeti? hüpfte Karl Gerd Striepecke durch die Reihen und verspritzte Mineralwasser, die Aufmerksamkeit für den spirituellen Sehnsuchtsort Dorf/Heimat war ihm damit gewiss. Die schmucke, zuckersüße Land-Idylle Kalletal „dörflich leben x ländlich wohnen x stadtnah arbeiten“ soll wohl auch Städtern klarmachen, dass sie in seelenlosen Vorstadtsiedlungen hausen, Kalletal dagegen ganz viel Seele hat. Hier machen die Menschen alles gemeinsam, die Dorfkinder wachsen mit Liebe auf und die Gärten machen gesund - ein kleines Stück vom Paradies halt! Ob diese Art der Vermarktung wirklich junge Menschen anspricht und sie für Kalletal die Vorstädte verlassen? Wirkt Kalletal mit dieser romantisierenden Darstellungsform nicht eher rückständig, wie aus der Zeit gefallen?

Jedenfalls wäre es schön gewesen, wenn die Texte sich wenigstens an die gängige Duden-Version halten würden. Schloß z.B. schreibt sich halt heute Schloss, der Spaß war früher ein Spaß und wird auch heute nicht zum Spass. Zitate sollten korrekt wiedergegeben werden, u. s. w.  Sie finden das kleinlich, schließlich macht jeder mal Fehler? Nein. Es ist die offizielle Webseite einer Kommune und so viel Sorgfalt sollte sein… Es dürfte ja auch durchaus ein teures Vergnügen sein, sich diese „Potenz des Potentials“ - von der Karl Gerd Striepecke sprach - (oder doch lieber Potenzials?) zu leisten. Die tatsächlichen Kosten für die SteuerzahlerInnen sind leider nicht bekannt, Ausschüsse waren mit dem Thema und der Auftragsvergabe nicht befasst. Die Werbeveranstaltung in der Kirche (Werbung für wen? Oder was?) war sicher auch nicht umsonst. Ein Blogger, der das Land so liebt, dass er schon nach drei! Tagen! in Hamburg das Handtuch wirft, eine Profi-Moderatorin und illustre Gäste mit Überstunden – auch da kommt etwas zusammen. Hoffentlich weiß wenigstens der Rat der Gemeinde Kalletal, was all das gekostet hat.

Nahtlos jedenfalls knüpft das Varenholzer „Kulturdesigner“-Ehepaar damit an seine märchenhafte Imagebroschüre und Dorfschatzkarte an (unverkehrt.de berichtete bereits, siehe Archiv/Allgemeines, „Kalletaler Imagebroschüre sorgt für Verwunderung“, „Von Pustebacken, Schrauben und Stiften – Marios oder Grimms Märchen?“). (ED29012019)

 

 

 

Balkongespräch Januar 2019

Alte Schulfreunde sind wichtig für die Karriere von Seiteneinsteigern

06. Januar 2019: Die Weihnachtsdeko ist abgeräumt. Den Baum holt die Jugendfeuerwehr ab. Lieschen hat alle Reste von Silvester zu einem wunderbaren Brunch aufbereitet.

Nico-Luis: (kommt grad ins Haus, war mit dem Hund los) Ich war am Schulzentrum, da sieht das ja aus wie Kraut und Rüben. Überall Müll, zerschlagene Fensterscheiben, angebrannte Rahmen und dann auch noch die wüste Baustelle, nicht gerade einladend für Schüler.

Klaus-Wolfgang: Ja, hab‘ ich auch schon gehört. Nachbar Sven-Olaf hat gesagt, da ist weder Herr noch Hirte.

Philipp-Rene: (zustimmend) Das scheint alles nicht so richtig zu laufen. Die Baustelle Schulzentrum dauert nun schon viele Jahre und so richtig geht’s nicht voran. Ein Freund von mir aus dem Bauausschuss hat gesagt, dass die auch wohl im Bauamt große Probleme haben. Die neue Leitung kann wohl Hochbau gar nicht und hat deshalb schon vor Jahren einen Architekten vom ehemaligen Arbeitgeber (Stadt Lemgo) geholt, der das machen sollte. Nannte sich damals interkommunale Zusammenarbeit. Schon 2016 kündigte der an, dass bis Mitte 2018 die Gesamtmaßnahme Sanierung der Gemeinschaftsschule Hohenhausen fertiggestellt sein könnte. Dieser Architekt der Stadt Lemgo war aber auch nur kurz da, das war's dann mit der interkommunalen Zusammenarbeit mit Lemgo in diesem Bereich.

Klaus-Wolfgang: Und wie geht's weiter?

Philipp-Rene: Die Gemeinde Kalletal hat dann die Stelle eines Architekten ausgeschrieben. Hat sich aber wohl kein Architekt gemeldet, die Stelle hat jemand mit dem Ausbildungsschwerpunkt Landschaft/Natur bekommen. Bestimmt geeignet für Planungen am Bürgerpark. Hat sich aber kurz auch um den Umbau des Schulzentrums gekümmert. Das weiß ich darum, weil diese Planerin in der Presse berichtete, dass in der neuen Aula auch Sektempfänge stattfinden sollen. In der Sportgruppe habe ich aber gehört, dass diese „Fachkraft“ schon einen anderen Aufgabenbereich übernommen hat.

Klaus-Wolfgang: Und nun? Für solche Großprojekte braucht man doch erfahrene, fähige Mitarbeiter. Man kann doch externe Planer nicht einfach so machen lassen.

Philipp-Rene: Das sieht die Rathausführung neuerdings nicht so eng. Die haben - wie ich auf der Arbeit gehört habe - für zwei Jahre befristet einen neuen Projektmanager eingestellt. Der soll die Oberbauleitung bei großen Hochbaumaßnahmen übernehmen. Auch Ausschreibungen und Vergaben, Kostenkontrolle, Qualitätskontrolle und Überwachung der externen Architekten und Ingenieure gehören angeblich zu seinen Aufgaben. Machbarkeitsstudien und Wirtschaftlichkeitsberechnungen soll der ebenfalls machen.

Klaus-Wolfgang: (ungläubig) Und einer, der sowas kann, kommt für zwei Jahre ins Kalletal? Wenn sich schon kein gelernter Architekt beworben hat?

Philipp-Rene: Neeee, der ist nicht neu, der war schon bei der Gemeinde und bisher Hausmeister für die Wohnheime der von Krieg und Verfolgung Betroffenen. Diese Stelle hat der auch noch nicht lange. Der Bürgermeister kennt den wohl aus Schulzeiten. Der ist auch nicht zwingend der Fachmann in diesem Bereich.

Klaus-Wolfgang: Ich erwarte ja schon wenig, aber das glaube ich jetzt nicht wirklich.

Regina-Beate: (wichtig) Jetzt versteh' ich auch die Gespräche beim Strickkurs in der Dorf-FH. Es wurde erzählt, dass man - wie derzeit ja überall - auch Seiteneinsteiger fördern muss. Es war die Rede von guten alten Schulfreunden, auch von Hausmeistern mit großer Empathie für Steine, Beton und Holz und deren unentdeckten Fähigkeiten. Die haben gesagt, dass Hausmeister - wenn sie passende Schulfreunde haben - auch Projektmanager werden können.

Mia-Chantal: Ich glaube, den kenn' ich. Der war schon mal bei uns an der Schule.

Regina-Beate: Ich kenn' den auch, der hält immer die Haustür auf, wenn die Ratssitzungen in der Sparkasse sind.

Klaus-Wolfgang: (bedenkenvoller Blick) Ich geh' davon aus, dass das mit den Schulfreunden teuer für uns wird.

Lieschen: Schluss jetzt, wir essen jetzt die wunderbaren Forellen von Familie Wenzel aus Kalldorf mit der schmackhaften „Honigsauce“. (HB13012019)

 

 

 

Neujahrsgrüße 2019

Hofberichterstattung oder betreutes Denken

Kurt Tucholskys (geb.1890, gest.1935) Beschreibung einer Pressestelle passt auch nach einhundert Jahren:

„Die Pressestelle hat zweierlei Aufgaben: einmal macht sie den Zeitungen und damit der zu täuschenden Öffentlichkeit die Notwendigkeit der Dienststelle klar, der sie angegliedert ist.Die Pressestelle hat zweitens die Aufgabe, etwaige Fehlgriffe der Dienststelle - also ungefähr die Hälfte ihrer Tätigkeit - vor der Öffentlichkeit zu beschönigen, zu bemänteln oder abzuleugnen.“

 

2018 haben wir uns bei der Berichterstattung zu politischen Beschlüssen durch die regionale Presse und Anzeigenblätter des Öfteren verwundert die Augen gerieben. Bei manchen Berichten aus Sitzungen haben wir uns gefragt, ob wir auf einer anderen Veranstaltung waren. Das las sich oft wie eine Pressemitteilung aus dem Rathaus, Hofberichterstattung oder betreutes Denken.

Wir konnten mehrfach überall mehr oder weniger das Gleiche lesen. Was aber auch kein Wunder ist, wenn beispielsweise eine Person für gleich drei Objekte (Westfalen-Blatt - Nordlippischer Anzeiger- Kalletaler Blick) sehr unterschiedlicher Art tätig wird.

Kritisches Hinterfragen: Fehlanzeige. Dafür aber reichlich Likes zu den Meldungen aus dem Rathaus auf Facebook und Twitter. Man geht Arm in Arm mit denen, die man als Presse eigentlich kontrollieren soll?

Hofberichterstattung können Sie von unverkehrt.de auch in 2019 nicht erwarten.

Wir leisten uns weiterhin den Luxus einer eigenen wohlbegründeten Meinung und lassen Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch zukünftig gerne daran teilhaben. Wir möchten Themen anstoßen, Hintergrund-Informationen geben und zu kritischen Diskussionen anregen. Bleiben Sie uns gewogen.

In diesem Sinne wünscht das „TEAM VON UNVERKEHRT“ ein gesundes, frohes neues Jahr 2019. (HB30122018)

 

                    

 

 

 

Dichtung und Wahrheit

Am 9. November 2017 hatte Bürgermeister Hecker ohne Not unter dem Tagesordnungspunkt „Informationen zu wichtigen Angelegenheiten“ öffentlich verkündet, dass die Verwaltung die Information erhalten habe, dass Strafantrag beim Landgericht Detmold wegen Beihilfe und wissentlicher Falschaussage gegen einen ehemaligen Verwaltungsbeamten und einen Verwaltungsmitarbeiter gestellt wurde. Das Rätselraten auch der heimischen Presse war groß und die Herren bemühten sich nach der Sitzung noch weitere Informationen zu erhalten, was ihnen aber offensichtlich nicht gelang. Eine Nachfrage der UKB-Fraktion zum Sachstand dieses „Verfahrens“ beantwortete der Bürgermeister in der Ratssitzung am 8. Februar 2018 öffentlich damit, dass es sich um ein laufendes Verfahrens handele und er werde keine Angaben zu Einzelheiten machen. Als Aktenzeichen für diesen Vorgang nannte er das OVG Münster 15 A 1357/17. Am 12. Juli fragte die UKB im Rat erneut nach, ob Herr Hecker mittlerweile aktuelle Informationen zum Stand der Dinge habe, was er öffentlich mit einem „Nein“ beantwortetet. Das erschien der UKB dann wohl so absonderlich, dass sie nach allerlei Eigen-Recherche noch einmal eine Anfrage für die Ratssitzung am 31.Oktober 2018 startete, noch dazu, wo ja ein Jahr zuvor nicht wirklich eine Veranlassung bestanden hatte über dermaßen ungelegte Eier eine Information im öffentlichen Sitzungsteil zu geben.

„Gibt es Neuigkeiten zum Stand der Strafanzeige, die von Ihnen öffentlich bekannt gegeben wurde?“, lautete die Frage, die der Bürgermeister auch knapp ein Jahr später noch einmal öffentlich mit einem Nein beantwortete. Nun allerdings biss er auf Granit, denn die UKB hatte selbst recherchiert und konnte dem Bürgermeister mitteilen, dass diese Strafanzeige mit diesem Aktenzeichen eigentlich das Aktenzeichen zu einem Gerichtsverfahren um Verlegung eines Oberflächen-Wasserkanals in Bentorf ist und der Antragsteller die UKB in der vergangenen Woche darüber informiert hat, dass diese Anzeige gegen die beiden Verwaltungsmitarbeiter von der Staatsanwaltschaft für nichtig erklärt wurde und gar kein Aktenzeichen vorhanden ist. Den folgenden Satz des UKB-Fraktionsvorsitzenden an den Bürgermeister haben wir von unverkehrt.de dann wörtlich in der Sitzung mitgeschrieben: „Er hat mir auch weiter mitgeteilt, dass er Ihnen das mündlich auch schon im Februar mitgeteilt hat.“ Upps, da war die Not groß, alle Anfragen seit Februar öffentlich mit Nichtkenntnis beantwortet und nun das.

Die Reaktion des Bürgermeisters lässt sich in der Niederschrift zur Ratssitzung vom 31.10. nachlesen, übrigens auch die seltsame Darstellung des oben geschilderten Sachverhalts:

„Die Zwischenfrage von RM Herrn Mühlenmeier, bei der er sich auf Informationen der betroffenen Person beruft, ob die Strafanzeige für nichtig erklärt wurde und ihm dies bereits mitgeteilt wurde beantwortet BM Herr Hecker wie folgt: Der Verwaltung lägen keine Informationen vor und er werde im öffentlichen Teil der Sitzung keine weiteren Angaben über das Verfahren machen.“

Dichtung und Wahrheit in Kalletal 2018, da fällt einem wirklich nur noch der gute Goethe ein. Wie unverkehrt.de aus zuverlässiger Quelle erfuhr, fiel im nichtöffentlichen Teil kein Wort mehr zu dem angeblichen Verfahren.

Wir möchten lediglich noch darauf verweisen, dass es sich bei einer Niederschrift/einem Protokoll um eine Urkunde von rechtlicher Relevanz handelt! (ED20122018)

 

 

Balkongespräche Dezember 2018 (1)

Oskar-Verleihung in Kalletal

Lieschen, Regina-Beate und die Nachbarsfrauen Adele, Alwine und deren Tochter Melanie-Conni treffen sich zum Advents-Kaffee. Da die „Älteren“ nie nutzlos rumsitzen wollen, haben sie ihr Strickzeug mitgebracht. Für den Weihnachtsbasar sollen noch Mütze, Schal und Strümpfe gestrickt werden. Regina-Beate hat Kaffee und Kekse vorbereitet.

Adele: Ich hab’ im Westfalen-Blatt gelesen, dass es in Kalletal fürs Stricken und Kochen einen Oskar gibt.

Alwine: (erstaunt) Das glaub’ ich nicht, einen Oskar für so’was?

Adele: (nickend) Ich wollte das auch nicht glauben, aber das stand so in der Zeitung.

Lieschen: (stirnrunzelnd) Kann ich mir nicht vorstellen, das mit dem Oskar für Stricken und Kochen, das machen wir schon seit über vierzig Jahren.

Regina-Beate: Doch, das stimmt, ich hab’s auch gelesen. Die haben in Bavenhausen mit Heimatverein und Volkshochschule eine „Dorf-Hochschule“ gegründet. Da kochen und stricken die jetzt wie wir schon immer. Auf dem Foto waren Frau und Herr Bürgermeister, der Pastor, die Leiterin der VHS Kalletal usw.

Adele: (hat große Augen) Die hatten ja schon vor fünfzig Jahren das Sagen im Dorf, aber warum fehlt auf diesem Foto denn die Dorfschullehrer*in?

Melanie-Conni: (tut ganz wichtig) Das mit der Dorf-Fachhochschule stimmt. Mein Mann schaut ganz oft im Internet auf „Unverkehrt.de“. Er hat mir gesgt, dass die schon mehrfach über diese FH berichtet haben. (siehe unten und im Archiv ein Balkongespräch)

Alwine: Ich glaub’ das immer noch nicht. Ich habe kürzlich gelesen, dass es mehr als zehntausend Handarbeits- und Kochgruppen in Deutschland gibt. Die treffen sich regelmäßig wegen der Geselligkeit, dem Austausch von Rezepten und Strick-und Häckelmustern, dem gemeinsamen Kochen, Essen und Trinken. Preise gab es dafür bisher nicht. Die „Erzeugnisse“ wurden oft für einen wohltätigen Zweck gespendet.

Gibt es denn so viel Oskars?

Adele: Nein, es gab nur sieben in Deutschland und Österreich.

Alwine: Und was war das Besondere an Bavenhausen?

Melanie-Conni: Herr Bürgermeister ist Vorsitzender des Heimatvereins. Frau Bürgermeister hat den Preis für die Dorf-FH beantragt. Herr Bürgermeister hat den Antrag unterstützt, das örtliche Ratsmitglied der SPD freut sich, der Pastor auch.

Lieschen: Dann gehen wir doch auch mal zum Stricken in die Dorf-FH …

Alwine, Adele und Regina-Beate (empört im Chor): Neeeeee, das wollen wir nicht, wir wollen unter uns bleiben und Strümpfe stricken können wir schon seit Jahrzehnten. Und in unserem „Kalorienclub“ wollen wir auch keine……….!

Regina-Beate: Das find’ ich auch, nun lasst euch Kaffee und Vanillekipferl schmecken. (HB11122018)

 

 

Visitenkarte zum Fremdschämen

Karl Z. und Ehefrau Doris wohnen in Bielefeld und suchen für sich und ihre zwei Kinder ein Haus auf dem Lande. In Bielefeld haben die Grundstückspreise dermaßen stark angezogen, dass der Traum vom Eigenheim sich für sie hier nicht realisieren lässt. Da Karl gebürtiger Lipper ist, orientieren sie sich bei ihrer Suche in Richtung Kreis Lippe und informieren sich über die 16 Städte und Gemeinden im Internet, natürlich auch über die Gemeinde Kalletal. Die Taller und Heidelbecker Kurven hatten es dem begeisterten Motorradfahrer Karl einst sehr angetan. Was er dort dann aber auf der Startseite der Gemeinde zu lesen bekam, ließ ihn die tollen Kurven schnell vergessen.

 

Unverkehrt.de meint: Eine Visitenkarte zum Fremdschämen! (ED09122018)

 

Siehe hierzu auch unter Lesermeinungen "Rettet dem Dativ...." vom 14.12.2018

 

 

CDU Lippe kommt wohl doch nicht zur Ruhe

Nun wird an Vieregges Bundestagsmandat gesägt

Dass es in der CDU Lippe seit dem 130-Seiten Dossier des Kreisgeschäftsführers Lennart Hildebrand vom Anfang dieses Jahres brodelt, ist klar. Ungenehmigte Ausgaben, illegale Spendenquittungen, manipulierte Fahrtkostenabrechnungen – die Vorwürfe gegen Kerstin Vieregge, zurückgetretene Kreisvorsitzende, und den ehemaligen Landrat des Kreises Lippe haben schon das Potenzial für einen handfesten Skandal. Auch von einer „schwarzen Kasse“ in der Kreisgeschäftsstelle der lippischen CDU war die Rede. (Radio Lippe vom 26.10.2018) Der CDU-Kreisvorstand war in der Pflicht, für Aufklärung zu sorgen. Am 9. Oktober wurde ihm in einer Sitzung der Abschlussbericht eines Wirtschaftsprüfers und eines Rechtsanwalts vorgestellt, die keine strafrechtliche Relevanz der zusammengetragenen Vorwürfe erkennen konnten. Am 27. Oktober 2018 berichteten die Lippische Landeszeitung und das Westfalen-Blatt, dass sich Kerstin Vieregge in einem Vergleich mit dem CDU Kreisverband Lippe auf eine Zahlung von 22.400 Euro geeinigt habe. Weitere gegenseitige Ansprüche wurden ausgeschlossen. In der LZ wird der CDU-Kreisvorsitzende Lars Wilhelm Brakhage zitiert mit: „Wir haben den Gutachtern die Zeit gegeben, um eine komplette Klärung der Aussagen und Anschuldigungen vorzunehmen.“ Der nächste Satz in diesem Artikel macht aber schon mehr als stutzig: „Nach Auskunft von Brakhage haben Wirtschaftsprüfer Johannes Becker und Rechtsanwalt Wolf-Dieter Tölle alle dem aktuellen Vorstand vorliegenden Unterlagen geprüft.“ Damit lag die nächste Frage ja klar auf der Hand, wurde aber scheinbar nicht gestellt…  Kein Wunder, dass es in der CDU Lippe weiter rumoren wird, auch wenn die Devise für den außerordentlichen Kreisparteitag am 9. November in Detmold wohl „Ruhe“ hieß. Die Mehrheit der 172 anwesenden Mitglieder lehnte jedenfalls eine gesonderte Abstimmung über die Entlastung der Vorstandsmitglieder 2017 ab. Heißt: Es gab verschiedene Personen, die die damalige Vorsitzende Kerstin Vieregge auf gar keinen Fall entlasten wollten. Laut Westfalen-Blatt-Bericht vom 12. November 2018 gab es Stimmen, die sogar Vieregges Rücktritt als Bundestagsabgeordnete und als stellvertretende Landrätin forderten. Letzter Satz des Artikels: „Am Rande gaben sich die Vieregge-Kritiker aber nicht geschlagen: „Es ist noch nicht vorbei.“ Zur Ruhe kommen, sieht wohl anders aus, setzt aber auch eine andere Art der Aufklärung voraus.

Mittlerweile kündigte Kerstin Vieregge im LZ-Interview vom 22.11.2018 ihren Rückzug aus dem Amt der stellvertretenden Landrätin an, sie mache den Weg für einen Neuanfang frei, weil die CDU-Fraktion sich auf die Kommunalwahl vorbereiten will. Für die CDU Lippe will sie allerdings auch 2021 wieder bei der Bundestagswahl antreten. Wie soll das gehen? Ist das Realitätsverlust von Vieregge oder gab es etwa einen „Deal“? Unverkehrt.de gibt zu, dass wir bei einem Deal gerne Mäuschen gespielt hätten, so müssen wir uns leider auf das verlassen, was die heimische Presse berichtet und nicht gefragt hat. Die CDU Lemgo will allen Anschein nach nicht lockerlassen, spricht - so Radio Lippe vom 23.11. – von einem Gutachten, dass unter Verschluss gehalten wird und fordert weiterhin den Rücktritt auch vom Bundestagsmandat. Was wird hier gespielt? Hat die ganze Affäre vielleicht noch eine ganz andere Dimension? Wer konnte eine „schwarze Kasse“ eröffnen und führen? Wer hat dem Landrat die Spendenquittungen ausgestellt? Sind noch weitere Personen verstrickt?

Gibt es jemanden in der CDU, der Vieregge „beerben“ möchte als Kandidat/in für den Bundestag und das möglichst schnell? Man weiß ja schließlich nicht, ob die Koalition in Berlin wirklich durchhält bis 2021. Aber Vorsicht, die Messlatte ist gar nicht so niedrig. Unverkehrt.de kann sich nicht erinnern, dass Vieregges Wahlkreis vor ihr jemals direkt von der CDU geholt worden wäre.

Fragen über Fragen – ob es jemals Antworten geben wird... (ED29112018)

 

 

Gedankensplitter November 2018 (2)

Alle Elefanten fliegen hoch...

Steht neue Vereinsgründung bevor?

Der Rassegeflügelzuchtverein Kalletal hat mit 200 Tieren eine erfolgreiche Zuchtschau im „Lindenkrug“ in Hohenhausen absolviert. Unverkehrt.de hatte schon im September (siehe unten) darüber berichtet, dass die Rassegeflügelzüchter nach fast zwei Jahrzehnten im angemieteten Bauhof der Gemeinde Kalletal nun wieder am alten Stammplatz im Lindenkrug angekommen sind. Der Vorsitzende hatte dabei in der heimischen Presse durchblicken lassen, dass das auch so bleiben solle, wenn der neue Bauhof fertig sei, da dieser für die Ausstellung zu klein wäre. Unverkehrt hatte daraufhin spekuliert, dass die Gemeinde einen Mini-Bauhof mit großzügigen Sanitär-Anlagen hinter der Feuerwache plant und sich wohl jemand heftig verrechnet haben müsste.

Das schien sich auch in der Folge zu bewahrheiten, denn von der Grundsteinlegung im Oktober berichtete die Lippische Landeszeitung, dass unter dem Strich der neue Bauhof mit 1000 Quadratmeter Fläche zwar nicht größer als der alte sei, aber dass eine Erweiterung möglich wäre und schon bei der Planung berücksichtigt. Ja, was soll das denn heißen? Da plant man den neuen eigenen Bauhof von Anfang an zu klein, aber hat eine Erweiterung schon bei der Planung der Planung berücksichtigt. Muss eigentlich jedem auffallen, dass da was nicht stimmen kann. Jetzt musste sogar noch das Technische Rathaus, von dem sich der Bürgermeister ohnehin schon immer (wenn auch völlig sinnfrei) trennen wollte, für die Argumentation herhalten: Die im Hof befindliche Tischlerei passt scheinbar nicht mehr in den neuen Bauhof. Nebelkerzen zuhauf sollen vom eigentlichen Problem ablenken: Es hat sich jemand mächtig verkalkuliert, ob bei der Größe oder den Kosten ist eigentlich egal, denn das Ergebnis ist identisch -  ein zu kleiner neuer Bauhof.

Die Krönung des Verschleierns:

 

Vom Federvieh zum Elefanten - demnächst neue Vereinsgründung in Kalletal? Fotos (c) H. Block

Bei der Zuchtschau stellte der Bürgermeister, selbst seit 33 Jahren Mitglied bei den Rassegeflügelzüchtern, eine Rückkehr der Zuchtschau 2019 in den dann fertigen neuen Bauhof in Aussicht. Laut Westfalen-Blatt vom 14. November 2018 soll er wortwörtlich gesagt haben: „Solltet ihr euch wieder für den Bauhof entscheiden, könnt ihr bis dahin Elefanten züchten. Wir haben da sehr viel Platz.“

Es gibt ein beliebtes Kinderspiel, bei dem man so lange alle Vogelarten und Flugzeuge hochfliegen lässt, bis auch bei „Alle Elefanten fliegen hoch“ sich relativ viele Ärmchen voller Begeisterung in die Höhe recken… Leider dürfen nur die dann weiterspielen, die nicht darauf reingefallen sind. (ED22112018)

 

 

Gedankensplitter November 2018 (1)

Außer Spesen nichts gewesen

oder

Viel Wind um nichts

Unverkehrt.de hatte mit dem Gedankensplitter Oktober 2018(1) „Der worauf auch immer stolze Bürgermeister und der schweigende Zuarbeiter in der Kämmerei“ auf die enormen Kosten für die Stromverbraucher durch die vom Rat der Gemeinde beschlossenen Windräder auf dem Rafelder Berg hingewiesen. Hierbei handelt es sich um Zahlungen gemäß EEG an Investoren für Strom, der nicht abgenommen wurde und große Investitionen des Stromversorgers für Anlagen und neue Leitungen bis zur Umspannstation Kalldorf. Unverkehrt.de war der Auffassung, dass die Verwaltungsspitze die Kosten ermitteln und den Kalletaler Stromverbrauchern mitteilen sollte. Da scheinbar weder der Bürgermeister noch der Kämmerer die Kosten ermitteln konnten oder wollten, wurden die Stadtwerke Lippe-Weser eingeladen. In der Einladung zur Ratssitzung am 31.10.2018 hieß es unter Tagesordnungspunkt 1:

EEG- Erneuerbare-Energiegesetz; 

Hier: Versorgungssituation und Netzausbau in der Gemeinde Kalletal   

Mündlicher Vortrag: Arnd Oberscheven, Stadtwerke Lippe-Weser-Service GmbH & Co.KG

Der Geschäftsführer der Stadtwerke war mit einem weiteren Mitarbeiter angereist. Die zahlreich anwesenden „Unverkehrten“ und sicher auch viele Zuhörer erhofften sich nun endlich Zahlen und Fakten zu hören, aber….

19:03 Uhr:

Der Bürgermeister erteilt dem Geschäftsführer der Stadtwerke das Wort. Arnd Oberscheven stellt sich und seinen Mitarbeiter vor. Er weist auf den erforderlichen Netzausbau für die Windräder Rafeld hin und erklärt, dass die Stadtwerke eigene Bauanträge zurückgezogen haben und abwarten wollen, wie sich der Kreis bezüglich des Naturschutzes verhält. Auch soll zunächst die zukünftige Entwicklung der Wirtschaftlichkeit abgewartet werden. Bezüglich des Netzausbaus übergibt er das Wort an seinen Mitarbeiter.

19:04 Uhr:

Der Mitarbeiter der Stadtwerke weist darauf hin, dass zur Abnahme des Stroms Windräder am Rafelder Berg insbesondere zwischen Bentorf und Kalldorf Leitungen erneuert werden mussten. Dadurch kann auch auf eine Freileitung verzichtet werden. Nun kann endlich der erzeugte Strom   eingespeist und weitergeleitet werden.

19:05 Uhr:

Ende des gesamten Vortrags.

19:06 Uhr:

Ein SPD’ler lässt sich nochmals bestätigen, dass der erzeugte Strom der Rafelder Windräder nun auch wirklich abgenommen und weitergeleitet werden kann. Weder vom Rat noch von der Verwaltung werden Fragen zum EEG oder zu den entstandenen Kosten des Netzausbaus usw. gestellt. 

19:07 Uhr:

Der Bürgermeister bedankt sich beim Geschäftsführer der Stadtwerke und seinem Mitarbeiter für den interessanten Vortrag, der Rat spendet anerkennend Beifall. 

19:08 Uhr:

Arnd Oberscheven und sein Mitarbeiter verlassen die Ratssitzung. Wie uns berichtet wurde, haben sich die beiden Herren draußen köstlich amüsiert und lachend den Heimweg angetreten. 

Die Zuhörer blieben nach diesen vier Vortragsminuten etwas verwirrt und ratlos zurück.

Es gab keine neue Mitteilung, keine neuen Erkenntnisse zum EEG, keine neuen Zahlen, keine Nennung der Kosten und es wurden keine neuen Fakten genannt.

Warum hat da kein Ratsmitglied nachgefragt?

 

Warum gab es diesen mündlichen Vortrag in dieser Form?  Wussten die Mitarbeiter der Stadtwerke nicht, worüber sie berichten sollten?

 

 

Nach diesem Auftritt kann man nur sagen: Außer Spesen nichts gewesen. (HB11112018)

 

 

Zum Haupt- und Finanzausschuss am 30. Oktober 2018

Qualifikation nicht so wichtig?

Unter dem Tagesordnungspunkt 3 „Soziale Betreuung ausländischer Flüchtlinge“ ging es um das Ausscheiden eines versierten Verwaltungsmitarbeiters im Bereich Asylbewerberleistungen, Rentensachbearbeitung zum Jahresende und um eine bislang aus Mangel an Bewerbern nicht zu besetzende Stelle eines Sozialarbeiters/einer Sozialarbeiterin. (Es waren einst nur fünf Bewerbungen eingegangen, von denen nur eine dem Anforderungsprofil entsprach, aber die Person nicht zum Gespräch erschien)

Der Vorschlag war nun, diese Verwaltungsstelle (außer Rentenangelegenheiten) mit der Sozialarbeit zu kombinieren. Die Wortmeldung vom SPD-Fraktionsvorsitzenden ließ dann aber doch aufhorchen. Er signalisiert Zustimmung, legt aber großen Wert darauf, dass die Qualifikation nicht so wichtig sein sollte, viel entscheidender wäre es doch, ob man schon mit Flüchtlingen gearbeitet hätte. Er verstieg sich soweit, dass von einem Zuhörer gemurmelt wurde, wen der denn in dem Bereich wohl kennen würde…? Irgendwie quietschte jedenfalls der Blindenhund in der Ecke. Der CDU-Fraktionsvorsitzende konnte sich allerdings nicht so recht vorstellen, eine Verwaltungsstelle an unqualifizierte Personen abzugeben. Der Bürgermeister erklärte sich bereit, die Stellenausschreibung der Gemeinde Kalletal den Fraktionsvorsitzenden vorab zuzusenden und dann könnten sie ja Wünsche einflechten… Merkwürdiges Verwaltungshandeln! „Wünsch dir was“ der Fraktionen bei Stellenausschreibungen? Unverkehrt. de reibt sich verwundert die Augen, wir haben ja schon mehrfach über denkwürdige Stellenbesetzungen in Kalletal berichtet, die Grünen bekamen für ihre Bürgermeister-Wahlunterstützung das Bauamt und der ehemalige CDU-Kreisgeschäftsführer durfte fachfremd gegen die Ratsmehrheit die Kämmerei übernehmen. Es gab sogar Stellenausschreibungen mit „Qualifikation keine“ (wir berichteten, siehe Archiv, Allgemeines). Aber diese Sitzung setzte noch einmal einen neuen Akzent.

Abgelehnt wurde der gesamte Beschlussvorschlag übrigens in Hauptausschuss und Rat von der UKB, alle anderen werden sich also wohl an den „Formulierungen“ beteiligen oder den Vorschlag des Bürgermeisters abnicken.

Unverkehrt.de ist auf die Stellenbesetzung neugierig. Ob es wohl jemand wird, den man kennt…? (ED07112018)

 

Walderlebniszentrum Heidelbeck

Glauben & Hoffnung vs. Sachargumente

Ratsmehrheit entscheidet sich für „Glauben“

„Es gibt zu viele „Mario-netten“ im Kalletaler Rat – so endete unser letzter Artikel zur bevorstehenden Entscheidung des Rates der Gemeinde Kalletal zum Walderlebniszentrum Heidelbeck (unverkehrt.de berichtete mehrfach). Nun, die Entscheidung ist gefallen: 18 Ratsmitglieder plus Bürgermeister (BM) sprachen sich am Mittwochabend im Tevenhauser Krug für die Feinjustierung der überdimensionierten Planung aus, elf stimmten mit Nein und es gab zwei Enthaltungen. Und doch lag irgendwie ein anderer Geist in der Luft. Schon das Ergebnis ist mehr als erstaunlich, denn normalerweise wird in Super Mario-Kalletal in interfraktionellen Kungelrunden für Einigkeit gesorgt.

Foto (C) Heino Block

Nur die UKB stimmt öfter mal dagegen. 11 Nein-Stimmen sind beachtlich und dass der größte Teil von den BM-Steigbügelhaltern von der CDU kam, das fiel auf. Man hatte tatsächlich mal eine andere Meinung als der Bürgermeister und sie wurde sachlich und fachlich schlüssig vom neuen, jungen Fraktionsvorsitzenden Julian Gerber vorgetragen. Aus wirtschaftlichen Gründen lehnte die CDU die Vorlage ab. Doch auf die SPD konnte sich der Bürgermeister verlassen, 14 Ja-Stimmen besorgte ihm Manfred Rehse, der die Zustimmung seiner Partei mit vielen Worthülsen und Danksagungen an Gott und die Welt verband, aber nicht ein einziges Gegenargument entkräften konnte. Es trafen Glaube und Hoffnung auf Sachargumente.

 

Die meiste Arbeit hatte sich Ulrich Kellmer, der Fraktionsvorsitzende von B’90/Die Grünen, gemacht. Detailreich nahm er das Grobkonzept mit den lediglich drei relevanten Zahlen auseinander. Er hatte sich sogar die Mühe gemacht auszurechnen, wie viele Klassen mit Schulkindern täglich nach Heidelbeck kommen müssten und kam auf 9 bis 12 pro Schulbesuchstag. Er hielt das für so utopisch, dass er seine Zustimmung nicht geben konnte. Das hatte er schon im Hauptausschuss getan und die kontroverse Diskussion in seiner Fraktion herausgestellt. Wie groß der Druck auf ihn gewesen sein muss, konnte man da übrigens verfolgen. Der Möchtegern-Übervater der Grünen, Jürgen Georgi, saß im Ausschuss mit einem Parteimitglied demonstrativ direkt hinter ihm. Im Rat entschieden sich die zwei grünen Ratsmitglieder zum Stimmensplitting. Annette Vollmann sagt für die Fraktion Ja, Ulrich Kellmer, der sichtlich angespannt wirkte, konnte das wohl weder mit seinem Gewissen noch seinem Berufsethos vereinbaren und blieb bei einem konsequenten, wohlbegründeten Nein. Genau das ist die Aufgabe von Ratsmitgliedern. Sie entscheiden nach bestem Wissen und Gewissen und stellen das Wohl aller BürgerInnen und die Finanzen ihrer Gemeinde in den Mittelpunkt ihres Handelns.

Kommt das Walderlebniszentrum jetzt wirklich?

Unverkehrt.de fehlt da der Glaube. Die halbseitige Beschlussvorlage des Verfassers Mario Hecker lässt Hintertürchen und seine Argumentation, dass er, nachdem der Kreis seine Kostenbeteiligung gedeckelt hat, das aufgrund des Kooperationsvertrages genauso macht, erscheint nicht gerade seriös und würde ein zukünftiges Walderlebniszentrum alljährlich in seiner Existenz in Frage stellen. Der Kreis war halt cleverer und hat zuerst die Reißleine gezogen.

 Foto (C) Heino Block

Egal, Mario Hecker ist schon jetzt dabei an seiner Legende des Ablaufs zu stricken, wenn das Zentrum nicht kommt. Er hat bis zum letzten Augenblick gekämpft, hat ideelle Abmachungen mit den Nachbarstädten getroffen und hat noch in der Sitzungswoche Presseberichte lanciert über eine Kooperation mit der Interessengemeinschaft Zugpferde e.V. in NRW, die sich vorstellen kann, Workshops bzw. Aktionstage in Heidelbeck anzubieten. Er hat alles, aber wirklich alles getan, damit das Zentrum kommt. Nur mit dem Rechnen hat er es leider nicht so. Diesmal hat die Methode „Viel Wind, wenig Substanz“ bei der Mehrheit noch gezogen.

Unverkehrt.de hofft, dass diese Sitzung der Beginn eines neuen politischen Diskurses in Kalletal wird. Bisher hat nur die UKB glaubhaft Opposition betrieben und den Finger in zahlreiche Wunden gelegt. (ED03112018)

Siehe hierzu auch unsere Rubrik Lesermeinungen mit "Beerdigung erster Klasse".

 

Milchmädchenrechnung

Bei der Vorlage des BMs der Gemeinde Kalletal zum Wald- und Forstmuseum Heidelbeck handelt es sich wohl eher um eine 

Milchbübchenrechnung.

Die Entwicklung der Neukonzeption des Wald - und Forstmuseums als Walderlebniszentrum nimmt schon skurrile Formen an. Träger des Museums sind die Gemeinde Kalletal und der Kreis Lippe. Der Museumsverein Kalletal unterstützt die Gemeinde beim laufenden Betrieb.

Bisher:

Zunächst werben die Mitglieder des Museumsvereins für die Erhaltung des Museums und Anpassung an gesetzlich vorgeschriebene Brandschutzbestimmungen.

Das nimmt der Bürgermeister zum Anlass eine große Neu- und Erweiterungsplanung zu beauftragen. Vorläufiges Ergebnis: Baukosten 2 Mio. Euro, Laufende Kosten 136.000 Euro im Jahr (ohne Abschreibung, bauliche Unterhaltung, Personalkostensteigerung, Energiekostensteigerung und und…….) Die Einnahmen wurden damals mit 22.500 Euro jährlich prognostiziert. Diese sollen im Wesentlichen aus Eintrittsgeldern von Schul- und Kita-Kindern erzielt werden. Bei dieser Besucherklientel scheinen dem Gutachter auch im Bereich Shop/Verzehr Einnahmen (für Gummibärchen usw.?) von 6400 Euro im Jahr möglich. Auch Mietennahmen in Höhe von 2500 Euro im Jahr sind fest eingeplant. Wer soll die zahlen?

Um die Entscheidung des Kreises zu beeinflussen, bemüht der Kalletaler sogar die Nachbar-Bürgermeister aus Vlotho und Rinteln. Mehr als „ideelle Unterstützung“ sagen diese aber nicht zu.

Nachdem sich der Kreis Lippe und insbesondere die CDU-Fraktion zu diesem dubiosen Rechenmodell kritisch geäußert hatten, zeigte sich der Kalletaler Bürgermeister sehr verärgert und drohte dem Kreis mit Rückforderungen der Planungskosten.

Entwicklung:

Natürlich wollten die Politiker im Kreistag nicht die Rolle des Buhmanns übernehmen. Auch wenn das Westfalen-Blatt unter dem Titel „Kehrtwende im Kreistag“ berichtete, dass der Kreistag dem Projekt mehrheitlich zustimmte, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Kreistag des Kreises Lippe erkannt hat, dass es sich hier um eine „Milchbübchenrechnung“ handelt. Der Beschluss zur Kostendeckelung und die Verpflichtung zur Übernahme der zusätzlich anfallenden Kosten spricht eine deutliche Sprache. Damit ist der Kreis fein raus, ohne sich unbeliebt zu machen.

Der Bürgermeister der Gemeinde merkt natürlich nicht einmal das und ist froh. Seine neuste Vorlage für den Hauptausschuss am 30.10. und am 31.10.2018 (Vorlage 93/2018 im Ratsinformationssystem der Gemeinde) und sein Beschlussvorschlag für den Rat zeugen davon, dass er selbst nicht mehr an seine Kostenschätzungen glaubt. Bei veränderten bzw. Mehrkosten soll die Zustimmung des Rates hinfällig werden!!!

Was ist das für ein Beschlussvorschlag?

Eigentlich wussten alle, die Verwaltung, die denkenden Ratsmitglieder, die erfahrenen und die langjährigen Mitglieder des Museumsvereins, dass die Umsetzung des Entwurfs zur Entwicklung des Wald- und Forstmuseums an diesem Standort langfristig nicht tragbar ist.

Neuste Entwicklung:

Auch der vom Umweltministerium für drei Jahre geförderte Klima-Manager hat selbstverständlich nichts mit dem Wald- und Forstmuseum zu tun. Auch diese Mitteilung des BMs zeugt nur davon, wie hilflos und dubios die wirklichen zukünftigen Kosten für die Kalletaler Steuerzahler vernebelt werden sollen.

Das kleine 1x1 der Betriebswirtschaft zeigt ganz deutlich, dass dieses Finanzkonzept nicht funktionieren kann.

Wir fragen uns, warum der Kalletaler Kämmerer und die Kommunalaufsicht solche „Spielchen“ in der Haushaltssicherung mitmachen?  Beim Kämmerer ist es vielleicht noch Dankbarkeit für seinen Job, aber bei der Kommunalaufsicht?

Wir sind gespannt, ob die Mitglieder von Hauptausschuss und Rat in den Sitzungen am 30. bzw. 31.10.2018 den abwegigen Beschlussvorschlägen der Verwaltungsspitze folgen.

Vielleicht nicht alle, doch wie schrieb uns vor Kurzem ein Leser:

In diesem Rat gibt’s zu viele  Mario-netten(HB23102018)

 

Siehe hierzu auch unter unserer Rubrik "Lesermeinungen" eine weitere Zuschrift einer Leserin aus Oberhausen. Wir möchten sie Ihnen nicht vorenthalten, denn ein Blick über den dörflichen Tellerrand kann ja nie schaden...

 

 

 

Rosige Zeiten für junge Museumsbesucher

Eintritt frei

Es scheint absehbar, dass die Zahlen, die der Kreis Lippe zum Neu- und Erweiterungsbau Walderlebniszentrum Heidelbeck verabschiedet hat, schon heute das Papier nicht mehr wert sind, auf das sie gedruckt wurden. Allerdings wird das den Kreis nicht sonderlich tangieren, denn er hat ja seine Kostenbeteiligung gedeckelt. Fakt ist, dass man von Einnahmen aus Eintrittsgeldern in Höhe von 13.600 Euro ausging. Hauptzielgruppe des Musuems: GrundschülerInnen und Kita-Kinder. Das wird sich wohl kaum halten lassen, denn unverkehrt.de stieß beim TourismusNewsletterDeutschland am 19.10.2018 auf folgende Meldung:

"NRW: LWL-MUSEEN BIETEN FREIEN EINTRITT FÜR KINDER UND JUGENDLICHE
Kinder und Jugendliche haben in 18 Museen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) ab April 2019 freien Eintritt. Das haben die Abgeordneten des LWL-Landschaftsausschusses jetzt entschieden. Schulen und Kitas aus der Region Westfalen-Lippe können zudem die Anreise mit Bus und Bahn über einen neuen LWL-Mobilitätsfonds finanzieren. Nach Wegfall des Eintrittsgeldes für Kinder und Jugendliche entgehen den Museen jährlich rund 636.000 Euro, schätzt der Landschaftsverband. Diesen Ausfall sollen höhere Ticketpreise für Erwachsene (plus 1 Euro) und weniger eintrittsfreie Tage für alle ausgleichen. Die Kombination von freiem Eintritt und freiem Transport soll den Besucherrückgang in der Zielgruppe stoppen – jedes Jahr kommen nach LWL-Angaben 7.400 minderjährige Besucher weniger in die Museen."

So viel auch zum großen Potenzial von Potenzialanalaysen. Das Walderlebniszentrum Heidelbeck wird auf Eintrittsgeld bei seiner Hauptklientel nicht hoffen können, denn es befindet sich schließlich, so es denn kommt, im Wettbewerb. (ED25102018)

 

 

Galoppierende Konjuktur

bei Baukosten und Baunebenkosten in Kalletal

Das mit den Planungen und der Durchführung des Umbaus am Schulzentrum Hohenhausen beauftragte Architekturbüro aus Lübbecke gab in der Sitzung des Ausschusses für Planen und Bauen am 12.09.2018 einen Sachstandsbericht und präsentierte die aktuellen Pläne und Kostenschätzungen für den Umbau der Gemeinschaftsschule Kalletal.

Die Vorstellung der Planung

In der o. g. Sitzung gab es für die Anwesenden der Verwaltung (Bürgermeister, Leiterin des Bauamtes und eine Mitarbeiterin) sowie für die Ausschussmitglieder eine Lehrstunde in Sachen Konjunkturentwicklung.

Das Büro aus Lübbecke präsentierte die neusten mit dem Schul-Arbeitskreis abgestimmten Raumkonzepte, Gestaltungspläne und die daraus resultierenden aktuellen Kosten.

Da die Aufträge für Abriss- und Schadstoffsanierung bereits vergeben wurden, standen die Kosten für diese Bereiche bereits fest, es sei denn, die Ausschreibung umfasst nicht alle Massen bzw. Arbeiten. Davon gehen wir aber nicht aus, zumal auch ein ehemaliges Ratsmitglied (Architekt) im Kalletaler Bauausschuss  beim beauftragten Architektenteam an diesem Projekt mitwirkt.

                              Foto (C) Heino Block

Nachdem das beauftragte Büro die Kostenschätzung sicher aufgrund der neusten Preisentwicklung erstellt hatte, wurde aufgrund der Ergebnisse offensichtlich nochmal ein Blick ins „Konjunkturbarometer“ gemacht.

Das Ergebnis ist erstaunlich: Innerhalb weniger Stunden (max. Tage) haben sich die Preise um 10% erhöht. Damit natürlich auch das Honorar für die Architekten und weiterer Planer.

Zu diesen absolut ungewöhnlichen Ausführungen des Mitarbeiters des Architekturbüros gab es weder seitens der Verwaltung noch aus den Reihen des Ausschusses eine Frage.

Alle Entscheidungsträger aus Verwaltung und Politik haben das Märchen von der galoppierenden Konjunktur (10% in wenigen Tagen) offensichtlich geglaubt. (HB15102018)

 

(nachzulesen auf der Internetseite der Gemeinde Kalletal-Ratsarbeit-Sitzungen-12.Sept.2018-APB-Tagesordnungspunkt 2- Anlage)

 

 

 

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